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Symposium Kunst als Wissenschaft - Wissenschaft als Kunst
 So. 16.9.01     Die vierte Dimension in Wissenschaft und Kunst 

12.45 Uhr
Aus dem Leben eines ausgestiegenen Kartesianers

Einige Anmerkungen zu Marcel Duchamp und den Wissenschaften

Vortrag

1919 schickte Marcel Duchamp seiner Schwester aus Buenos Aires Anweisungen zur Herstellung eines Ready Mades: Der Kern des Werks sollte aus einem Handbuch für Geometrie bestehen, welches Susanne mit Hilfe von Drähten am Balkon ihrer Wohnung zu befestigen hatte. So konnte der Wind das Buch durchblättern und sich seine Probleme selbst heraussuchen. Im Verlauf der Zeit sollten die Blätter vom Wind herausgerissen werden und so wie die Blätter eines Baumes nach unten tanzen. Der Titel des Werkes: unglückliches Ready Made.

Dieses Kunstwerk, das die Umstände, in denen es entstand natürlich nicht überlebt hat, illustriert hervorragend Duchamps ambivalente Beziehung zu den Wissenschaften. Zufall und Zeit als zwei unantastbare Größen scheinen Spott zu treiben mit so hochgeschätzten Konstruktionen menschlichen Wissens wie der Geometrie. Es scheint, daß der junge Duchamp die Entwicklung verschiedener Bereiche der Wissenschaft betreffend auf der Höhe seiner Zeit war. Aber seine Haltung zu der ihn umgebenden Welt war fundamental anders. Es ging ihm nicht darum, das Wissen zu strukturieren, um es dadurch besitzen zu können, sondern an dieser beherrschbaren Kenntnis vorbeizugehen, auf der Suche nach neuen unvermuteten Gebieten der Kreativität.
(Abstract)


Hans Maria de Wolf
(Kunsthistoriker, Berlin)
 
Dokument/e:
  A few Scenes from the Life of a former Cartesian. Marcel Duchamp and the Sciences (Text)
  Aus dem Leben eines ausgestiegenen Kartesianers. Einige Anmerkungen zu Marcel Duchamp und den Wissenschaften (Text)
 

  : Wandelhalle der Gemäldegalerie Berlin  
     


 
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