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Kunstprojekte: "Roulette von Lisa Schmitz"
 
Eine Installationsbeschreibung

In einem abgedunkelten Raum von 15x3x3m wird von einem Beamer eine Videosequenz in endloser Rückprojektion auf die dem eintretenden Betrachter gegenüberliegende quadratische Wand übertragen.

Zu sehen sind computermanipulierte Genesistexte, die als Rolltext auf dem Hintergrund orange-weissen Millimeterpapiers erscheinen.
Bei einer langsamen Annäherung an die Projektionsfläche bewirkt ein System mehrerer aufeinanderfolgender Sensoren, bzw. Überwachungskameras, dass sich Farbe, Form und Schrift des Videos verwandeln in schnellere oder langsamere Sequenzen s/w rotierender Motion Blurs und in partikelsprengende Transformierungen. Sie beruhen auf Bildfolgen, die ich in dem unterirdischen, über mehrere Kilometer hinweglaufenden, ringförmig angeordneten Tevatron-Beschleuniger des Fermi Laboratoriums aufgenommen habe.
Des weiteren wird eine sich drehende Datenträger-ähnliche Scheibe aus gelbfarbenem mundgeblasenen und sandstrahlbehandelten Glas sichtbar, die in Form einer Spirale Verben, also Zeitwärter in Partizipform aufweist. Sie charakterisieren den Zustand der Bewegung: rauschend, stechend, durchbrechend, schlagend, rasend, hetzend, taumelnd, fließend, schleifend, knallend, flackernd, jagend, usw. Dabei bewegt sich die Scheibe in einer Weise, die es ermöglicht, die Worte als solche wahrzunehmen, sie jedoch kaum lesen zu können. Zugleich bewirkt die Spiralform ein magnetisches Angezogenwerden des Blickes in der Art eines Tunnel-Sogs.

Die Manipulation der Bewegungseindrücke wird schließlich in Gestalt manipulierender Hände im Bilderfluss selbst zum Thema. Sie generieren als Metapher den Austausch der Energien als konkrete Handlungsweise. Dabei überlagern die realen Schatten der Hände als Imagines die abgebildeten.

Die Aktivierung des letzten Sensors (ca. 1m vor der Projektionsfläche) löst eine absurde letzte Videoprojektion schlichten Millimeterpapiers aus. Sinnloserweise besteht die starre Projektion aus 4500 einzelnen frames. Die 25/fps-Bewegung gerät zum Still; als letzte Imagosequenz verschmelzen die laufenden Bilder mit dem realen Installationsraum, dessen Wände innen und außen aus aufgespanntem Millimeterpapier bestehen. Bewegung und Stillstand gehen als Paradox in eins.
Lisa Schmitz


Roulette

Video/Installation - Lisa Schmitz
Musik - Hans Ulrich Humpert

Interaktives Computergestütztes Video/Audioprojekt
DVD/CD/Sensorik/Überwachungskameras/Computer/
AV-Mixer/Millimeterpapier/Holzleisten, 15x3x3m
1995/2001


Realisation
Kunsthochschule für Medien Köln
Musikhochschule Köln
Forschungszentrum J¸lich
GMD Sankt Augustin
Fermilab Batavia
Long Beach Museum of Art
Villa Aurora Foundation
Viper Basel
PPS Berlin
Goethe-Institut Chicago
Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart

Studiobearbeitung/Video Miha Vipotnik, Video Annex des Long Beach Museum of Art
Klaus-Günter Rautenberg, GMD Sankt Augustin
Arthur Jogerst, Kunsthochschule für Medien Köln Interface/Sensorik Martin Nawrath, Kunsthochschule für Medien Köln
Interface/AV-Steuerelektronik Heinz Rongen, Günther Brandenburg, Forschungszentrum Jülich
DVD-Produktion Ewald Hentze, Kunsthochschule für Medien Köln
Studiobearbeitung/Musik Marcel Schmidt, Musikhochschule Köln


Besonderer Dank gilt Siegfried Zielinski, Richard Wagner, Conny E. Voester, David A. Finley, Judy Jackson, Martin Reiser, Monika Fleischmann, Hans-Georg Knopp, Wolfgang Strauss, Horst Halling, Norbert Nowotsch, Bob O'Kane, Sven Mann, Wolfgang Vonolfen, Andrew Solomon, Robert Jarmatz, Marianne Heuwagen, Christoph Keller, Norma Drimmer, Andreas Walther, Carlotta Brunetti, Michael Graf Buquoy, Josef Weizenbaum, Heiko Daxl.

Die Präsentation des Projektes Roulette wurde ermöglicht im Kontext des Symposiums "Kunst als Wissenschaft - Wissenschaft als Kunst" mit freundlicher Unterstützung des Forschungszentrum Jülich und des MD Berlin.

Symposium: Vortrag von Lisa Schmitz
Programm: Roulette
Biographie von Lisa Schmitz





 
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